Yacht

Yachting Mit Abstand das Beste

Nahezu alle großen Yachtschauen sind verschoben worden. Aber die Werften waren unterdessen nicht untätig. Ein Ausblick.
Riva 88’ Folgore
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Text: Marcus Krall

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Selbstverständlich, sagt Sandra Ahrabian, wäre es im März und April sehr ruhig gewesen. Die große Un­sicherheit sei das gewesen. Dann aber, so ab Anfang Mai, klingelte das Telefon wieder und stand seitdem eigentlich nicht mehr wirklich still – Anfrage über Anfrage erreichte die Grünwalder Spezialisten. Wenn man wissen möchte, wie es um die Bootsbranche steht, muss man eine exzellente Informantin bei einer Versicherung haben – wie die Vorstandsvorsitzende der Bavaria AG – oder jemanden in guter Position bei einer Industrievereinigung kennen. Claus­Ehlert Meyer, Geschäftsführer des Deutschen Boots­ und Schiffbauer-­Verbands, konstatiert: „Die Bootsverkäufe in diesem Jahr befinden sich auf einem guten Niveau. Eini­ge Zulieferer berichten gar vom besten Sommer ihres Berufslebens.“

DER PERFEKTE RÜCKZUGSORT

Deutschland fährt also wieder mehr Boot, so viel steht fest. Und so verwunderlich ist das auch nicht. In diesen Zeiten bietet ein eigener Kiel die vielleicht letzte große Freiheit: Man entscheidet – sofern man seinen Liegeplatz erreichen kann –, wohin man fährt, und praktiziert Social Distancing par excellence. Damit werben gar viele Brokerage­-Häuser, die Makler des Yachtings, derzeit. Für Charterkunden bie­ten sie einen Door­-to-­Door-­Service, also die Transfers mit desinfizierten Limousinen, Privatjets und Helikoptern, bis man die gemietete Yacht erreicht. Sales­-Kunden werden eben damit zum Kauf motiviert, dass eine Yacht oder ein Boot einen perfekten Rückzugsort darstellt.

Was aber soll man kaufen, wenn man sich nicht auskennt und keinen Yachtnerd im Bekanntenkreis hat? Messen waren dafür in den vergangenen Jahren ideal, insbesondere die im Spätsommer an der Côte d’Azur. Da jedoch sowohl das Cannes Yachting Festival als auch die Monaco Yacht Show abgesagt wurden, sind auf den folgenden Seiten zumindest einige der Neuheiten gelistet, die auf diesen Shows gezeigt worden wären. Gut gemischt übrigens für unterschiedliche Budgets, Geschmäcker und familiäre Verhältnisse.

Wer beim Erwerb eines solches Assets indes bereits den Wiederverkaufswert im Kopf hat, dem sei als Erstes „ein­geimpft“, dass sich neue Yachten kaum von neuen Autos unterscheiden. Einmal den Zündschlüssel gedreht, ist be­reits eine Menge Geld „verbrannt“. Ein paar Kriterien, um diese Summe etwas zu minimieren, gibt es allerdings.

Im Trend liegen beispielsweise seit Jahren großvolumige Formate. Heutige Eigner möchten viel Raum auf wenig Länge. „Wenn es ginge“, so sagte einmal ein Sales Manager, der nicht genannt werden möchte, „würden manche Kunden sogar auf den Maschinenraum verzichten, um mehr Platz zu generieren.“ Ein chinesischer Kunde, so kolportiert der Küstenklatsch, hat solch ein Schiff gar übernommen und veranstaltet darauf im Hafen Business-­Meetings und Par­tys – etwas, das man von den vertäuten Hausbooten in Amsterdam kennt. In jedem Fall kann Volumen als Wert­erhalt nicht schaden, genauso wenig wie eine bekannte Marke (Wally, Ferretti, Sunseeker, Frauscher, Riva) bezie­hungsweise ein für den Yachtbau renommiertes Herstel­lungsland (Deutschland, Italien, Niederlande, England). Wer sein Interior dann möglichst neutral gestaltet, fin­det später ebenfalls leichter einen Käufer oder auch Chartergäste, die die jährlichen Betriebskosten reduzieren – bei einer 25-­Meter­-Yacht kommen hier mal schnell rund 450 000 Euro zusammen. Helle Hölzer, italienische Möbel und möglichst viele Kabinen sind wichtige Kriterien; ein Beachclub gilt als Plus, ebenso große Fenster, ein geräumi­ges Sundeck und Balkone auf Salonhöhe oder gar in der Eignerkabine.

ZEUG ZUM BESTSELLER

Zu den aufregendsten Neuheiten, die in diesem Spätsommer präsentiert werden sollten, gehört jedenfalls die Riva 88’ Folgore. Entworfen von Oficina Italiana in Zusammenarbeit mit Piero Ferrari zeigt die 27-­Meter­-Yacht laut den Marke­tingstrategen der Werft einen Sci­Fi­-Look, den man – etwas weniger kryptisch – mit sportlich­gefällig beschreiben könnte, und eine Klarheit, die man bei vielen Entwürfen heutzutage vermisst. Mit den großen Maschinen (MTU 2000 M96L) erreicht die Italienerin einen Topspeed von 38 Knoten und nimmt auf dem Unterdeck bis zu acht Gäste in vier Kabinen auf. Kombiniert mit der Reputation der Marke scheint die Folgore ein Bestseller im Riva­-Portfolio zu werden. Genauso übrigens wie die 80 Power bei Sunreef. Mit ihr transferierte die polnische Werft das bei Seglern derzeit äußerst gefragte Katamaranprinzip auf eine Motoryacht und schuf so ein riesiges Loft auf dem Hauptdeck mit Esstisch, Sofalandschaft, Küche und Steuerstand auf einer Ebene. Tennisprofi Rafael Nadal ließ sich von dem Entwurf bereits überzeugen und gehört zu den ersten Kunden.

SCHNAPPATMUNG GARANTIERT

Die Zielgruppe mit viel Budget, aber wenig Lust auf eine eigene Crew setzt hingegen auf überschaubare Längen mit großem Stylingfaktor. Der Trend zu luxuriösen Daycruisern besteht bereits seit einigen Jahren und bekommt mit der 43 Wallytender und der SAY 42 sehenswerten Zuwachs. Während sich bei der Wally achtern das Schanzkleid ab­klappen und damit das Deck vergrößern lässt und das Image der Marke schon fast ein Kaufanreiz ist, gehört die SAY 42, komplett aus Carbon gebaut, noch zu den Geheimtipps. Hier legten die Autodesigner von KET Hand an, die Beschleu­nigung garantiert Schnappatmung. Wer nun überlegt, ob man überhaupt moralisch eine Yacht besitzen sollte: Diese Frage stellt man sich weltweit fast nur in Deutschland. Ein bekannter Eigner aus der Schweiz formulierte es einmal sehr schön: „Neid ist nicht mein Thema. Eine Yacht ist eine Investition in Lebensqualität.“

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